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Man mag über die Deutsche Bahn denken wie man will.

Ja, die Verspätungen können nerven und ich gebe zu der schleppende Fluss von Informationen ist für mich persönlich fast noch schlimmer.

Wenn wir uns der ganzen Sache aber von einer ganz anderen Richtung nähern, kann uns das auch wichtige Dinge fürs Leben lehren.

Ich habe lange daran gearbeitet jederzeit den positiven Teil jeder Situation zu finden und den gibt es wirklich immer.

Im Jahr 2012 habe ich meinen neuen Job in der Unternehmensberatung begonnen die erhöhte Reisetätigkeit hat dazu geführt, dass ich in meinem ersten Jahr stolzer Besitzer einer BahnCard 100 war.

Und es ließ sich nicht verhindern, dass ich durchaus oft mit Verspätungen zu kämpfen hatte. Zu Beginn wurde daher meine Laune immer schlechter und es reifte die Einsicht, dass ich mich doch besser für den Dienstwagen entschieden hätte und in meiner eher etwas negativen Stimmung habe ich natürlich erst mal nur die Dinge gesehen, die mit einem Dienstwagen besser gewesen wären und genauso sehr hab ich die potentiellen Probleme, wie Staus und anderes, verdrängt.

In dieser Stimmungslage hat mich auf dem Heimweg nach einer anstrengenden Woche beim Kunden in Frankfurt passierte es mal wieder:

Die Bahn hatte mal wieder wie so oft Verspätung und diese grottenschlecht kommuniziert.

Es war Winter und echt verdammt eisig. Ich war erst mal ziemlich stinkig und dann tauchte am anderen Ende des Bahnsteiges eine Bahnangestellte auf. Ich war drauf und dran meinen Frust an dieser Dame, die nicht mehr als Ihren Job machte und für die es genauso kalt war, auszulassen.

Während Sie den Bahnsteig entlang auf mich zugelaufen kam, hat sich in mir etwas getan, das mir zu Beginn nicht wirklich bewusst war und als wir uns trafen war mein Zorn verflogen.

Im Laufe des Gespräches kam natürlich auch die aktuelle Situation zur Sprache und sie bedankte sich bei mir für meine Freundlichkeit und fragte wie ich es schaffe so gelassen zu bleiben.

Da habe ich mir nochmal genau überlegt was vorher mit mir passiert ist und eine echt lebensverändernde Erkenntnis gewonnen. 

In dieser frostigen Winternacht auf dem Bahnsteig in Mannheim hatte ich nicht wirklich was zu tun, außer mich in meinem Sumpf von negativen Emotionen zu suhlen und habe bemerkt, dass mir das, sachte ausgedrückt, echt nicht gut tut. 

Ich habe angefangen verschiedene mögliche Szenarien aufzustellen, in die Zukunft zu projizieren, die jeweiligen Folgen abzuschätzen und dann zu entscheiden wie ich mich weiter verhalten werde.

Für die Szenarien habe ich mich für folgende grundsätzliche Parameter entscheiden: 

  1. Szenario 1: Was ist das schlimmste was passieren kann
  2. Szenario 2: Was passiert wenn ich mich wie bisher üblich verhalte
  3. Szenario 3: Was ist das Beste was passieren kann 

Vor allem bei Szenario 1 dürft ihr gerne in die Vollengreifen und es wirklich “hässlich” machen, es sollte aber trotzdem realistisch sein. 🙂 . Wenn wir alle diese Szenarien wirklich durchgespielt und in unserer Phantasie durchlebt haben kommt der allerwichtigste Punkt: 

Frage Dich:

Was passiert egal für welches Szenario du Dich entscheidest? 

Und dann fälle eine Entscheidung für Dich. 

Damals im Mannheimer Winter lief das für mich so: 

Szenario 1

Ich führe mich auf wie Rumpelstilzchen und lasse meinen ganzen Frust (und der war echt groß) ungefiltert an der Dame aus. Im schlimmsten Fall fühlt sie sich bedroht und holt die Polizei. Das macht mich noch wilder und die Polizisten fühlen sich genötigt mich mitzunehmen und mir eine kostenpflichtige Übernachtung in der Zelle aufzuerlegen. Die Folge ist dass ich gar nicht mehr an dem Abend nach Hause komme und echt Probleme am Hals habe.

Nur zur Vorsicht: Das nochmal zu sagen das ist nicht meine Art, aber wie oben schon geschrieben macht es groß 🙂 

Szenario 2

Ich bin genervt halte mich zwar zurück aber schütte trotzdem meine Unfreundlichkeit unfairerweise über der Dame aus, nur weil sie für die DB arbeitet. Das führt dazu, dass es mir auch nicht besser geht, ich bin weiter genervt, die Zeit vergeht total langsam und ich versaue auch noch der Dame den Abend. Irgendwann komme ich daheim an bin immer noch total genervt, kotze mich mitten in der Nacht bei meiner Frau, die ja auch nichts dafür kann aus und halte sie damit von ihrem wohlverdienten Schlaf ab. Ich selber kann mit dem ganzen Adrenalin im Blut auch nicht schlafen. Der nächste Tag fängt übermüdet und damit nicht gut an jedes kleine Ding verschlechtert meine Laune und so geht das weiter 

Szenario 3

Ich bekomme meine Emotionen in den Griff begrüße die Dame freundlich und es entwickelt sich ein nettes Gespräch über die DB und die Welt im allgemeinen. Sich mit einem fremden positiv zu Verbinden und sei es nur für diese kurze Zeit erzeugt noch bessere Emotionen beruhigt und hilft das ganze Adrenalin abzubauen, das verständlicherweise im ersten Ärger produziert wurde. Wir können voneinander lernen und uns weiterentwickeln. Die Zeit vergeht wie im Flug. Irgendwann komme ich, auch wenn es schon früher Morgen ist, völlig entspannt zu Hause an schleiche mich leise ins Schlafzimmer, gebe meiner friedlich schlafenden Frau vorsichtig einen Kuss, lege mich ins Bett und schlafe gleich ein. Am nächsten Morgen wache ich vielleicht nicht ganz ausgeschlafen aber doch sicher entspannt auf und erzähle meiner Frau beim Frühstückskaffee mit einem Lächeln von der unglaublich langen Heimreise von Frankfurt in den Schwarzwald.

Besonders im Gedächtnis bleibt mir, dass mir der oberflächlich gesehen totale Mist die Möglichkeit gegeben hat einen netten Menschen und seine Geschichten über verärgerten Bahnkunden kennen zulernen. Etwas was ohne die Verspätung nie passiert wäre. 

Dann habe ich mir wirklich direkt die Frage gestellt was in allen drei Szenarien gleich ist.

Die Antwort kam ganz schnell und ist soooo einfach: 

Der Zug kommt eben wenn er kommt. 

Als mir das glasklar wurde, war es wirklich einfach für welches Verhalten ich mich entscheide und alles ist genauso gekommen wie ich es mir in Szenario 3 vorgestellt hatte. 

Das Beste daran ist die Tatsache, dass das ein universell anwendbarer Prozess ist. Am Anfang musste ich das noch aktiv in mir anstoßen, mittlerweile geht das bei mir automatisch.

Dieser Automatismus gibt mir die Gelassenheit und Resilienz, die meinen Mitmenschen bei mir immer wieder auffällt. 

Es würde mich freuen, wenn ich es damit schaffe auch Euch einen Weg zu zeigen wie man Entscheidungen treffen kann.